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BIBLIOTHEK - SCHWABENGÄNGER

 

Quelle: Der Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster

19. März 1999

Pure Armut trieb Kinder aus den Alpen

In Ravensburg wurden einst kleine Schweizer als billige Arbeitskräfte feilgeboten

MarkusRohner
Not und Hunger haben bis in unser Jahrhundert hinein Kinder zwischen 6 und 15 Jahren aus Graubünden, St. Gallen und Appenzell ins «Schwabenland» geführt, wo sie sich als Hütekinder verdingten. Scharenweise packten Buben und Mädchen ihre Sachen und begaben sich zu Fuss auf den langen Weg. Kinder aus dem Valsertal und dem Lugnez legten dabei bis zu 200 Kilometer Weg zurück. Verglichen mit Hunger und Armut, die in den Alpengebieten herrschten, erschien die Region zwischen Bodensee und Donau als reiches und fruchtbares Land. Die dort angesiedelten grossbäuerlichen Betriebe hatten jedes Jahr einen Bedarf an billigen Saisonarbeitskräften.

Ausgerüstet waren die «Schwabenkinder» auf ihrer entbehrungsreichen Reise in der Regel mit schlechtem Schuhwerk und ein paar wenigen Habseligkeiten, die sie in einem Kartoffelsack auf dem Rücken trugen. «Gott sei gedankt, für eine Zeitlang mussten sie nicht ernährt werden», war eine Mutter aus dem Bündner Oberland froh, wie sie ihren zehnjährigen Sohn für ein paar Monate als Verdingkind in den süddeutschen Raum schicken konnte. Ein Esser weniger sass am Tisch.

Der Kindermarkt von Ravensburg

Wirtschaftliche Alternativen zur saisonalen Auswanderung boten sich Erwachsenen und Kindern in den mausarmen Alpentälern kaum. Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schwabengängerei endgültig eingestellt, nachdem aus Vorarlberg die letzten Kinder in die Fremde gezogen waren. Aus Graubünden und dem Appenzellerland gelangten schon um die Jahrhundertwende nur noch wenige Kinder ins Schwabenland.

Der Kindermarkt von Ravensburg, wo jeweils an Samstagen im Frühling bis zu 200 Kinder feilgeboten wurden, war für die Bauern der Region ein wichtiger Anlass. Hier konnten die Kleinen eingehend gemustert und nach ihrer Arbeitskraft ausgewählt werden. Der eine suchte ein williges Mädchen als Küchen- und Kindermagd, der andere warb einen kräftigen Knaben für die Ernte an. Und die ganz Kleinen unter den Schwabenkindern fanden als billige Hüteknechte Verwendung. «Es ist eben ein Stück Sklavenhandel. Wie beim Schwarzen auf den Märkten jenseits des Ozeans ist's die physische Entwicklung, nach der man den Preis der Ware abschätzt», war 1866 in der Familienzeitschrift «Gartenlaube» zu lesen.

Entlöhnt wurden die Schwabenkinder mit Geld, Kleidern, Kost und Logis. Der Kleiderlohn - ein «doppeltes Häs» - bestand aus einem Werktags- und einem Sonntagskleid. Die Angaben über den Geldlohn gehen weit auseinander. Innerhalb des Ravensburger Markts schwankte der Lohn je nach Alter, Kraft und Grösse des Kindes. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts betrug der Saisonlohn für die Kinderarbeiter sechs bis zwölf Gulden, ein erwachsener Knecht verdiente das Dreifache. Um die Jahrhundertwende pendelte der Lohn bei durchschnittlich 60 Mark. So viel verdiente damals ein Ravensburger Fabrikarbeiter in einem Monat.

Kinderarbeit war erlaubt

Kinderarbeit in der Landwirtschaft war in Deutschland - im Gegensatz zur Industrie - bis 1960 erlaubt. Bestimmungen über die Höchstarbeitszeit und das Mindestalter der Kinder gab es keine. Im Deutschen Reich waren 1904 von 9,25 Millionen Volksschulkindern unter 14 Jahren 1,77 Millionen in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Zwar kannte Württemberg seit 1836 die Schulpflicht für Kinder von 6 bis 14 Jahren, für ausländische Schwabenkinder galt sie jedoch nicht. Die oberschwäbische «Agrarlobby» wehrte sich immer wieder entschieden und erfolgreich gegen die Einführung der Schulpflicht dieser Kinder. «Ein Knabe, der sich in der Schule verhockt, wird zum Bauern unbrauchbar.»

Kritik aus den USA

Vor allem der Kindermarkt von Ravensburg geriet um die Jahrhundertwende zusehends stärker ins Kreuzfeuer der Kritik. Im deutschen Reichstag geisselte der Sozialdemokrat Emanuel Wurm 1903 diesen Zustand und warf den reichen Bauern aus Oberschwaben vor, die Kinder von armen Tirolern und Schweizern für ihre niedersten Dienste zu missbrauchen. Das deutschsprachige «Cincinnatier Volksblatt» aus den USA kommt im April 1908 in einer kritischen Reportage über den Ravensburger Sklavenmarkt zum Schluss: «Den ersten glücklichen Tag erleben die Kinder am 28. Oktober, dem Tag, an dem sie wieder nach Hause reisen. Im nächsten Jahr werden sie vielleicht aufs neue in die Knechtschaft verkauft werden.»
Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich nicht mehr allein im gebildeten Bürgertum die Einsicht nach einer eigenen Kindheitskultur durch. Nun wurden auch im ländlichen Raum und im städtischen Arbeitermilieu Stimmen laut, die Kinderarbeit und Kinderhandel den Kampf ansagten und die Kindheit als eine Art Lern- und Vorbereitungsphase auf das Erwachsenenleben betrachteten. Arbeitende Kinder hatten darin keinen Platz mehr.

Eine Ausstellung in der Vorarlberger Landesbibliothek, Bregenz, dokumentiert bis zum 16. April den alpenländischen Kinderhandel (Montag bis Freitag 9-18.30 Uhr, Samstag 9-12.30 Uhr, Sonntag 10-17 Uhr).

© «Der Zürcher Oberländer» / «Anzeiger von Uster»

 

Quelle: www.tages-anzeiger.ch

[TA | 15.04.2004]

Das traurige Leben der Schwabenkinder

 

Verdingkind
Ausgebeutet: Schwabenkind auf einem Bauernhof bei Ravensburg.
 

Harte Arbeit, sexueller Missbrauch. Eine Historikerin hat das Schicksal der Schweizer Kinder dokumentiert, die vor 150 Jahren in Deutschland ausgebeutet wurden.

Von Martin Arnold

«Viele Kinder mussten ins Schwabenland. Dort ergings ihnen schlecht. Die Mädchen wurden sexuell missbraucht, die Buben geschlagen. Viele flohen nach Hause.» Das erzählte die Grossmutter aus dem Bündner Oberland ihrer Enkelin Loretta Seglias. Zwanzig Jahre später erfuhr die Enkelin, inzwischen Historikerin, eine andere Sichtweise: «Wir sorgten für die armen Geschöpfe, die das eigene Land nicht einmal ernähren konnte», hörte sie in Ravensburg, wo vor gut 150 Jahren Schweizer Kinder wie auf einem Sklavenmarkt als Arbeitskraft feilgeboten wurden.

Ähnliches schrieb vor gut 30 Jahren Linus Bühler in einer Arbeit zu den Schwabengängern. Er hatte noch lebende Zeugen interviewt, welche die Missstände teilweise relativierten: «80 Prozent der Herren waren gut.»

Sozialhistorikerin Loretta Seglias hat nun die übrigen 20 Prozent unter die Lupe genommen. In ihrer Lizenziatsarbeit «Die Schwabenkinder aus dem Bündner Oberland» hat sie untersucht, wie Kinder zwischen 1800 und dem Ersten Weltkrieg in der Fremde behandelt wurden. Sie legt dabei Wert darauf, die Wanderarbeit aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. «Kinderarbeit war damals üblich», sagt sie.

Dennoch war das Schicksal der Bündner Kinder, zwischen 6 und 14 Jahre alt, in Memmingen, Ravensburg oder Überlingen, ein besonderes. Die Arbeit in der Bodenseeregion, der damaligen Kornkammer Deutschlands, war hart: drei bis sieben Stunden Schlaf. Den Rest der Zeit mussten die Kinder – ausser während der Pausen für drei Mahlzeiten – arbeiten. Am Sonntag hatten sie meistens frei. Ferien kannten sie nicht. Schläge waren häufig und sexueller Missbrauch ebenso.

Die Schwaben hielten die Bündner für ungehobelte Eigenbrötler, die schweigsam waren, was auch an den mangelnden Deutschkenntnissen der Romanen lag. Umgekehrt schrieb etwa die «Bündner Zeitung» am 7. Februar 1838: «Die Bündner Schwabengänger sind gleichsam zum ersten und bleibenden Augenmerk der schwäbischen Wüstlinge geworden.»

Schlimm erging es geschwängerten Mädchen. Sie wurden aus Württemberg ausgeschafft. Die Rückkehr geriet zum Spiessrutenlauf, wie das Schicksal zweier Mädchen zeigt. Ihre Ankunft in Chur erregte laut «Bündner Zeitung» «grosses Aufsehen» und wurde «von höhnendem Gassenvolk» begleitet. Der Artikel berichtet, dass «seither sofort wieder andere solcher Dirnen, wiewohl ohne eine schwäbische Mitgift, der Art, auf gleiche Weise» ins Bündnerland gekommen seien.

Gewalt kein Thema

Gewalt, insbesondere sexuelle Gewalt wurde tabuisiert. Kein Dokument weist daraufhin, dass diese Probleme je zwischen der Bündner und der württembergischen Regierung thematisiert worden wäre. Bei Gesprächen ging es um illegale Grenzübertritte, Bettelei oder Gesundheitsatteste. Die Bergler wurden verdächtigt, die Krätze einzuschleppen, eine ansteckende Hautkrankheit, die Juckreiz durch Milben verursacht.

Den meisten Bündnern lag wenig am körperlichen Elend der Kinder. Ihre Sorge galt vielmehr dem seelischen Zustand, denn die Kinder schliefen im gleichen Raum wie Knechte und Mägde. Da könnten sie Dinge zu sehen bekommen oder tun, von denen sie nicht einmal wissen sollten, dass sie existierten. Deshalb versuchten viele Eltern mit allen Mitteln, die Schwabengängerei ihrer Kinder zu verhindern. Doch Schicksalsschläge, Erbteilung und Unwetter trieben viele Familien derart in die Armut, dass beim Abschied der Kinder nur ein einziger Trost blieb: Sie gingen in katholisches Gebiet. Aus den protestantischen Gebieten Graubündens wanderten denn auch kaum Kinder nach Schwaben.

Im Gegensatz zu den Bündner Behörden, setzten ihre Württemberger Kollegen die Schulpflicht der einheimischen Kinder durch. Deshalb konnten die schwäbischen Bauern ihre eigenen Kinder nicht zur Arbeit verpflichten. Die Schwabengänger hingegen verliessen die Winterschule vorzeitig und kamen erst nach Beginn des neuen Schuljahres zurück. Ein Schulbesuch in der Fremde schien auch den deutschen Behörden nicht notwendig. Ein Mitglied der Württembergischen Ersten Kammer sagte 1913: «Ich glaube deshalb, dass wir gar keine besondere Veranlassung haben, uns für den Schulbesuch dieser dem Ausland angehörigen Kinder zu interessieren.»

Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhten die Bündner Behörden das Alter für Schwabengänger auf 12 Jahre, um der Kinderarbeit einen Riegel vorzuschieben. Trotzdem versuchten viele ihr Glück auf eigene Faust. In Domat/Ems, wo die Schwabengängerei eine lange Tradition hatte, galt es gar als Mutprobe unter Jugendlichen, saisonal zu emigrieren. Zum Beweis mussten sie Rohrstiefel – ein Teil des Lohnes – nach Hause bringen. Diese boten sie selber auf den Kindermärkten an, die im Frühjahr stattfanden.

Imageschaden für Deutschland

Auf dem Höhepunkt der Schwabengängerei um 1850 verliessen jede Saison über 1000 Kinder die Surselva, um in Deutschland Geld zu verdienen. Der Lohn betrug in dieser Zeit für eine Saison weniger als 20 Mark. Hinzu kamen Kleider und Schuhe in zweifacher Anfertigung. Um die Schuhe zu schonen, arbeiteten die Kinder barfuss. Die Füsse waren manchmal so kalt, das die Kinder freiwillig in warme Kuhfladen standen.

Aus drei Gründen nahm die Schwabengängerei ab Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Die aufkommende Industrialisierung schaffte im Bündnerland Arbeitsplätze. Zudem wanderten viele verarmte Bauern nach Amerika aus. Dort wurden in Zeitungsartikeln die Kindermärkte von Überlingen und Ravensburg mit den Sklavenmärkten Amerikas in früheren Zeiten verglichen. Diesen Imageschaden wollten die deutschen Behörden nicht länger hinnehmen. Nach dem Ersten Weltkrieg ging praktisch kein Kind mehr aus Graubünden nach Deutschland auf Arbeitssuche. Es sollte aber bis zum Zweiten Weltkrieg dauern, bis auch die Kinderemigration aus Österreich ein Ende fand.

Loretta Seglias: «Die Schwabengänger aus Graubünden», Desertina-Verlag 2004, 42 Franken.

© Tamedia AG

 

Quelle: www.arte-tv.com/de/

Freitag, 30. Dezember 2005 um 20:40
VPS: 20.40
Wiederholungen:
01.01.2006 um 15:40
06.01.2006 um 00:55

Schwabenkinder

Fernsehfilm, Deutschland 2001, BR
Regie: Jo Baier, Drehbuch: Jo Baier, Kamera: Tomas Erhart, Musik: Thomas Osterhoff, Kostueme: Ute Hofinger, Redaktion: Volker Hartmann, Dr. Evelyn Itkin, Schnitt: Clara Fabry-Gasser; Ausstattung: Petra Heim; Maske: Brigitte Dettlinger, Gerhard Reitinger; Ton: Heinz Ebner, Produktion: Epo-Film
Thomas Unterkircher (Kaspar, 8 Jahre), Hary Prinz (Kaspar, 30 Jahre), Tobias Moretti (Kooperator), Vadim Glowna (Vater), Naomi Krauss (Josefa), Jürgen Tarrach (Bauer Steinhauser), Eva Maria Fleissner (Magdalena), Werner Prinz (Pfarrer

Als Schwabenkinder bezeichnete man Ende des 19. Jahrhunderts arme Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz, die jährlich ins Schwäbische zogen, um dort als billige Arbeitskräfte an Bauern verkauft zu werden. Erzählt wird die Odyssee des kleinen Kaspar, der von seinem Vater aus der Not heraus nach Ravensburg geschickt wird

BR © BR
Ein Tiroler Bergdorf, Ende des 19. Jahrhunderts: Nach dem Lawinentod der Mutter gerät Kaspars Familie an den Rand ihrer Existenz. Die Not lässt dem Vater keine Wahl. Er folgt dem Rat des Pfarrers und schickt seinen ältesten Sohn Kaspar ins "Schwabenland", um sich dort als billige Arbeitskraft bei fremden Bauern zu verdingen. Die schmerzhafte Trennung von dem geliebten Vater ist erst der Anfang einer mühsamen Odyssee. Gemeinsam mit zwölf anderen Kindern und einem "Kooperator" macht er sich auf den schwierigen, entbehrungsreichen Weg übers Gebirge, über tief verschneite Passhöhen, schlecht ausgerüstet, frierend und verzweifelt. Das Ziel ist Ravensburg, wo die Kinder als Bauernknechte oder Mägde auf einem Kindermarkt verkauft werden. Kaspar hat kein Glück: Er endet bei Steinhauser, einem "Saubauern", der den Jungen tyrannisiert. Kaspar entscheidet sich zu fliehen, mit anderen gepeinigten Seelen will er nach Amerika gehen. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Als Schwabenkinder bezeichnete man die armen Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz, die alljährlich im Frühjahr zu den Kindermärkten ins Schwäbische zogen. Es mutet aus heutiger Sicht wie ein böses Märchen an, dass noch vor gar nicht so langer Zeit mitten im aufgeklärten Europa, sogar bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs, Kinder wie Sklaven verkauft wurden. Erst mit dem Erscheinen von entsprechenden Berichten in der US-Presse konnte das Schwabengehen aufgedeckt und eingestellt werden.

 

Quelle: www.arte-tv.com/de/

Schwabenkinder

Presisgekrönter Fernsehfilm von Jo Baier

Als Schwabenkinder bezeichnete man Ende des 19. Jahrhunderts arme Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz, die jährlich ins Schwäbische zogen, um dort als billige Arbeitskräfte an Bauern verkauft zu werden. Erzählt wird die Odyssee des kleinen Kaspar, der von seinem Vater aus der Not heraus nach Ravensburg geschickt wird.

Ein Tiroler Bergdorf, Ende des 19. Jahrhunderts: Nach dem Lawinentod der Mutter gerät Kaspars Familie an den Rand ihrer Existenz. Die Not lässt dem Vater keine Wahl. Er folgt dem Rat des Pfarrers und schickt seinen ältesten Sohn Kaspar ins "Schwabenland", um sich dort als billige Arbeitskraft bei fremden Bauern zu verdingen.

Die schmerzhafte Trennung von dem geliebten Vater ist erst der Anfang einer mühsamen Odyssee. Gemeinsam mit zwölf anderen Kindern und einem "Kooperator" macht er sich auf den schwierigen, entbehrungsreichen Weg übers Gebirge, über tief verschneite Passhöhen, schlecht ausgerüstet, frierend und verzweifelt. Das Ziel ist Ravensburg, wo die Kinder als Bauernknechte oder Mägde auf einem Kindermarkt verkauft werden. Kaspar hat kein Glück: Er endet bei Steinhauser, einem "Saubauern", der den Jungen tyrannisiert. Kaspar entscheidet sich zu fliehen, mit anderen gepeinigten Seelen will er nach Amerika gehen. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Als Schwabenkinder bezeichnete man die armen Bergbauernkinder aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz, die alljährlich im Frühjahr zu den Kindermärkten ins Schwäbische zogen. Es mutet aus heutiger Sicht wie ein böses Märchen an, dass noch vor gar nicht so langer Zeit mitten im aufgeklärten Europa, sogar bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs, Kinder wie Sklaven verkauft wurden. Erst mit dem Erscheinen von entsprechenden Berichten in der US-Presse konnte das Schwabengehen aufgedeckt und eingestellt werden.

Der Regisseur und Autor Jo Baier, 1949 in München geboren, drehte schon über 70 Dokumentarfilme und Fernsehfeatures, bevor er sich dem Spielfilm widmete. Bei den folgenden Werken führte er meist nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch: "Schiefweg" (1986) bekam 1989 den Grimme-Preis und "Wildfeuer" (1990) erhielt 1991 den Bayerischen Filmpreis. Außerdem gehen "Hölleisengretl" (1994, auf ARTE am 22.06.2002), "Der Weibsteufel" (1998), der Dreiteiler "Der Laden" (1998, auf ARTE vom 27.05. bis zum 10.06.2001), "Wambo" (1999/2000), für den er 2002 den Grimme-Preis erhielt, und "Verlorenes Land" (2001, auf ARTE am 13.04.2002) auf ihn zurück. Im Herbst 2003 erhielt "Schwabenkinder" den Fernsehpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste sowie den 3sat-Zuschauerpreis. 2004 erschien "Stauffenberg" und gewann im selben Jahr den Deutschen Fernsehpreis für den besten Fernsehfilm, war 2004 für den Zuschauerpreis des Baden-Badener TV Film Festivals, und 2005 für den Grimme-Preis nominiert.

Tobias Moretti, hier in der Rolle des Kooperators, studierte Musik, Darstellende Kunst und Theater in Wien und München und begann seine Schauspielkarriere auf den dortigen Bühnen. Seit Anfang der 90er wendete sich Tobias Moretti verstärkt dem Film zu. Den Anfang markiert Felix Mitteres Serie "Piefke Saga" (1990). Für seine international bekannte Rolle in "Kommissar Rex" stand Moretti seit 1994 vor der Kamera. Es folgten unter anderem der Kinofilm "Workaholic" (1996) von Sharon von Wietersheim, das Wilderer-Drama "Krambambuli" (1998) von Xaver Schwarzenberger, "Deine besten Jahre" (1999, auf ARTE am 25.11.2002) von Dominik Graf, der Vierteiler "Die Freunde Jesu" (1999) von Raffaele Mertes, Curt Faudons "Das Tattoo - Tödliche Zeichen" (2000) und "Julius Cäsar" (2002) von Uli Edel. Seit 2002 ist er im Salzburger "Jedermann" Teufel und guter Gesell. Moretti wurden zahlreiche Auszeichnungen zuerkannt, unter anderem der Bayerische Fernsehpreis (1999, 2004), der Grimme-Preis (2002) und 2004 den Schauspielerpreis.

Bauer Steinhauser wird gespielt von Jürgen Tarrach. Er machte als Absolvent des Max-Reinhardt-Seminars in Wien erste Erfahrungen an Theatern in Münster, Nürnberg und Karlsruhe. Mit "Die Musterknaben" (1996) von Ralf Huettner schaffte er den Durchbruch auf der großen Leinwand. Es folgten "Der Eisbär" (1998) von Til Schweiger, "Schnee in der Neujahrsnacht" (1999, auf ARTE am 27.12.2002) von Thorsten Schmidt, "Late Show" (1999) von Helmut Dietl, "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" (2000) von Klaus Krämer, "Der Krieger und die Kaiserin" (2000) von Tom Tykwer, "Wambo" (2001) von Jo Baier, "Klasse von 99" (2003) von Marco Petry und Martin Weinhards "Schiller" (2005).

Der junge "Kaspar", Thomas Unterkircher , wurde im Flugzeug auf dem Flug von Wien nach München entdeckt und kommt aus Südtirol.

Freitag, 30. 12. 2005, um 20.40 Uhr
Schwabenkinder
Deutschland 2001, ARTE/BR, Stereo, 16:9 / 110 Min.
ARTE strahlt diesen Film auch in einer untertitelten Fassung für Hörgeschädigte aus.
Regie: Jo Baier, Drehbuch: Jo Baier, Kamera: Tomas Erhart, Musik: Thomas Osterhoff, Kostueme: Ute Hofinger, Redaktion: Volker Hartmann, Dr. Evelyn Itkin, Schnitt: Clara Fabry-Gasser; Ausstattung: Petra Heim; Maske: Brigitte Dettlinger, Gerhard Reitinger; Ton: Heinz Ebner, Produktion: Epo-Film
Mit: Thomas Unterkircher (Kaspar, 8 Jahre), Hary Prinz (Kaspar, 30 Jahre), Tobias Moretti (Kooperator), Vadim Glowna (Vater), Naomi Krauss (Josefa), Jürgen Tarrach (Bauer Steinhauser), Eva Maria Fleissner (Magdalena), Werner Prinz (Pfarrer)

 

Filmproduzent (federführend) epofilm.com

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Artikel-Nr. 1264248

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